Ein Danke aus der Ukraine an KFKOK
Von:
René Badwertscher [mailto:badi@email.**]
Gesendet: Mittwoch, 26. März 2008 13:58
An: 'kfkok@widmers.info'
Betreff: Danksagung
An die Mitglieder von KFKOK und deren Gönner
Ich möchte mich im Namen der vielen armen Leute hier in der Ukraine die in den Genuss von Ihren Spenden (Kleider, Schuhe, Spielzeuge, Medikamente, Spitalmaterial, Operationsmaterial, usw.)gekommen sind bedanken. Es ist klar, dass sie sich nicht bei Ihnen bedanken können.
Von meiner Seite möchte ich einen ganz grossen Dank an Iris und Hans-Peter Widmer aussprechen für ihren unermüdlichen persönlichen und finanziellen Einsatz für eine bessere Welt. Heute in diesem kalten menschlichen Klima gibt es kaum noch Menschen, die sich für andere noch einsetzten. Heute zählt das Geld und seine eigene Haut, für den Rest bleibt nicht mehr viel oder gar nichts. Zwischen durch sieht man Bilder von Kriegen und der Armut in anderen Ländern am Fernseher und ist froh, dass es nicht in der Schweiz ist. Wieviel Armut und Ungerechtigkeit herrscht auch in der Schweiz? Solange es nicht einem selbst trifft, geht man vom gesehenen und gehörtem darüber weg, denn jemand wird sich diesen Menschen schon annehmen. Ich bin froh, dass es die sogenannten Jemands wie Iris und Hans-Peter Widmer gibt.
Ein paar Gedanken zur heutigen Ukraine.
Die Ukraine hat im letzten Jahr 9 neue US Dollar Milliardäre erhalten, gesamt sind es heute 24. Woher sie dieses Vermögen aufgehäuft haben möchte ich hier nicht erläutern. Es gibt hier eine Schicht von etwa 8% die sehr reich sind. Eine Mittelschicht von rund 10%, der grosse Rest bewegt sich am unteren Ende.
2003 kostete ein Brot 0.8 bis 1 UAH (1CHF = 3UAH) heute mit dem Dollarsturtz kostet das Brot 2.6 UAH (seit kurzem ist ein CHF 4.6 UAH)
1 Liter Milch 1.2 UAH heute 5 UAH
1 Kg Käse 20 UAH 48 UAH
1 Liter Benzin 2 UAH 5.9 UAH
1 KG Bananen 3.5 UAH 10.5 UAH
Ein Mechaniker Lohn 550 UAH 1000 UAH
Gas, Wasser, Miete und Strom sind in dieser Zeit um das Vierfache gestiegen. Die UAH Kredite sind von 33% auf 22% gefallen. 2003 hat es hier in Uzhgorod 4 Banken gehabt, heute sind es 47 mit den Zweigniederlassungen. Die Universität war offiziell Gebührenfrei, doch für die Zulassung an die Prüfungen pro Semester musste man 350 UAH bezahlen, sowie alle Unterlagen und Bücher. Konnte man die 350 nicht bezahlen, konnte man die Prüfung nicht machen. Heute ist es ein Vielfaches von diesem Betrag.
Wie sieht es am Gymnasium aus. Ein Mädchen von meinen Bekannten ist die Beste. Sie wurde Ausgezeichnet und konnte einen schulischen Wettkampf auf der Krim gegen die verschiedenen kantonal Sieger der Ukraine machen. Die Mutter ist allein Erzieherin und erhält ein Kindergeld von 350 UAH. Sie lebt bei ihren Eltern mit der Tochter, die auch nur ein kleines Einkommen haben. Die Hauptschullehrerin nahm Kontakt auf und bat die Mutter, dass das Mädchen am Wettkampf teil nehme. Es koste für sie nur etwa 1000 bis 1500 UAH. Nur, war gut, da das gesamte Einkommen der Familie 1600 UAH war. Sie hatten einen Kleinkredit aufgenommen um der Tochter den Wettstreit zu ermöglichen. Sie wurde Zweite. Heute ist es so, dass die Lehrerin den Vorschlag machte, dass die Schule den ersten 5 Kindern jeden Monat eine Prämie für gute Noten zahlen wird von 70 UAH. Alle Eltern waren einverstanden, denn sie meinten das Geld komme von der Schule. Sie verlangte auch, das die Eltern für den Unterhalt der Schule (neu Streichen, Überwachungskamars, Wächter, neue Wasserleitungen, usw.) etwas bezahlen sollten. Der Elternabend kostete für die Frau 280 UAH. Am nächsten Tag kam das Mädchen freudig nach Hause und zeigte für ihre guten Noten die 70 UAH.
Was alles hier dem Volk versprochen wurde und nie gehalten ist für ein Aussenseiter kaum zu verstehen. Die orange Revolution, die neu Wahlen, das neue Parlament und alles bleibt gleich. Nur die Preise steigen weiter. Viele Artikel sind teure oder gleich wie in der Schweiz. Schlimm ist es für die alten Leute mit ihrer Pension die nicht für den Lebensunterhalt reicht. Sie müssen überall anstehen um die Ermässigungspapiere für Wohnung, Strom, Gas, Heizung und Wasser zu erhalten vom Staat. Mit den rund 500 UAH Pension können sie nicht mehr leben. Sie haben das ganze Leben gearbeitet und stehen heute als Bettler da. Die Milliardäre interessieren sich nicht für diese Menschen. Für diese Leute braucht es Menschen wie die Widmers.
Ich hoffe, dass es auch einmal für dieses Land, das nur etwa 1300 Km von der Schweiz weg ist einen positiven Umbruch gibt für die sozialen Verhältnisse.
An alle Spender nochmals ein grosses Dankeschön.
René Badertscher
BiFra
Uzhgorod, Ukraine