Zeitungs Artikel der Schaffhauser Nachrichten
Donnerstag 26. Juli 2007, Region
Rheinauer Betten in die Ukraine verfrachtet
Die Hilfsorganisation KFKOK hat rund 50 Betten aus der Psychiatrischen Klinik in Rheinau in einer zweiten Etappe in die Ukraine verfrachtet. Zum Teil waren die Transporte abenteuerlich.
Rheinau Im Frühling 2007 hat der Verein KFKOK (Verein für Kinder ohne Krieg) aus Safenwil AG einen ganzen Lastenzug voll Spitalbetten und diversem anderem Material in die Ukraine transportiert. Zahlreiche Hilfsgüter, vor allem die Betten, aber auch Stühle und Nachttische, wurden von der Psychiatrischen Klinik Rheinau gespendet. Die Mitglieder des KFKOK schleppten die massiven Stahlbetten vier Tage lang von den Zimmern in die Anhänger. «Das waren Betten, die wir nicht mehr brauchten», erklärt Ernst Fischer, der für Liegenschaften und Mobiliar bei der Psychiatrischen Klinik Rheinau verantwortlich ist. Er ist mit den zu vergebenden Betten auf die Organisation zugegangen und mit seiner Anfrage beim KFKOK sofort auf Interesse gestossen.
Betten gingen nicht nach Winterthur
Hintergrund für die Ausmusterung der Rheinauer Betten war vor allem, dass sie mit der Aufgabe der Inselklinik Rheinau im Oktober 2000 und der Verlagerung der Dienstleistungen in die Integrierte Psychiatrie Winterthur (ipw) überflüssig wurden. Die rund 30-jährigen Stahlbetten, so Fischer, und diverse Zubehörsachen sowie diverse alte Rollstühle hätten in zwei Etappen so den Weg in die Ukraine gemacht. Doch nicht ganz alle ausgemusterten Betten fanden in ukrainischen Sanatorien und Spitälern neue Besitzer. Wie Fischer erklärt, seien in der Ukraine nicht alle Spitäler und Psychiatrischen Kliniken mit Strom versorgt, und da es sich bei den Betten in der Inselklinik oft um hydraulische Niveaubetten, die in der Höhe verstellbar sind, handelte, wäre diese Funktion in Häusern ohne Strom zwecklos.
Hürdenlauf mit Behörden
Bei der
zweiten Lieferung, bei der vor allem die Betten transportiert wurden, gab es für
KFKOK-Mitglieder bei der Einreise in die Ukraine weniger administrativen Aufwand
und Hürden als bei der ersten Lieferung in dasselbe Gebiet ein Jahr zuvor.
Damals, im April 2006, wurde eine von Militärlastwagen transportierte Ladung mit
medizinischem und anderem Spitalmaterial von Zöllnern mehrere Wochen lang hinter
Schloss und Riegel aufbewahrt.
Einer der Gründe für die Quarantäne damals war, dass die Militärlastwagen im
Konvoi älter als acht Jahre waren, und das sei für humanitäre Hilfe verboten.
Deshalb wurde im Hinblick auf die zweite Lieferung in der Ukraine
erst abgeklärt, wohin die Betten überhaupt geschenkt werden, und nach neun
Monaten konnte der Speditionsauftrag - diesmal ohne Militärlastwagen - vergeben
werden. An einem Dienstag im März 2007 kam dann der LKW aus Polen, um die Ware
plangemäss in der Ukraine abzuliefern.
Später folgte das Dankeschön aus der Ukraine, wie KFKOK-Präsident Hans-Peter
Widmer zitiert: «Dank Ihrer edlen Tat wird das Niveau der medizinischen
Versorgung der Einwohner von Transkarpatien ziemlich verbessert. Wir wünschen
Ihnen Gesundheit, Glück, Erfolg in Ihrer edlen Sache. Hochachtungsvoll, Chef der
Gesundheitsverwaltung, Mychajlo Turyantschyk.» (M. G.)
Der Verein KFKOK ist unter anderem in der Ukraine, in Vietnam, aber auch in der Schweiz tätig. Oft werden etwa Roma mit Kleiderlieferungen oder wie im Falle der Lastwagenkonvois Spitäler oder Kliniken mit Mobiliar oder Medizin unterstützt.